Mittwoch, 18. August 2010

Dinge, die man einfach mal so stehen lassen kann...


...muss man aber nicht.

Die Bildzeitung ist der Teufel und jeder der für sie arbeitet, hat seine Seele an eben jenen – zu einem guten Preis – verkauft. Irgendwann ist das Öl alle. Apple-Produkte sind scheißteuer. Die wachsende Bewerberzahl von Staffel zu Staffel bei sämtlichen Castingshows, ist ein Beweis für die Dummheit der menschlichen Rasse im Ganzen. Alles sieht im Bilderrahmen besser aus. New York ist nicht die USA. Guter Sex ist keine Frage der Dauer. Alles was wir über die Welt wissen, wissen wir über die Massenmedien (Nicklas Luhmann). Shakespeare schwafelt. 3D-Filme braucht kein Mensch und werden bald wieder verschwinden. Niemand erobert den Teutoburger Wald. In der arabischen Welt geht es Frauen deutlich schlechter als Männern. Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24110 Jahren. Frauen mit Hut sind mit Vorsicht zu genießen. Russen in Skigebieten bestätigen eine Menge Vorurteile. Es gibt Ché Guevara-Buttons bei Media Markt. Die Trennung von Oasis war längst überfällig. Ich bin mehr Europäer als Deutscher. Möchte man einen stilistischen Abstieg unserer Gesellschaft aufzeigen, lohnt es sich das Bild zu bemühen, dass bei Rockkonzerten das Leuchten von Handy-Displays das Feuerzeug abgelöst hat. Krankenschwestern sind unterbezahlt. Tetris ist weiterhin eines der besten Computerspiele aller Zeiten. Die Nicht-Raucherlobby geht deutlich zu weit. Es ist als Zeichen für einen überhöhten Leistungsdruck unter Jugendlichen zu werten, dass gerade Mädchen Probleme mit Alkohol habe - die müssen am meisten glänzen. Die FDP ist die einzige Volkspartei Deutschlands unter 5%. Nur weil es jeder sagt, ist es nicht gleich falsch. Nur weil es jeder tut, ist es nicht gleich richtig. Freiheit für Tibet. Es ist bedauerlich, dass sich das Erstellen von Mixtapes für tolle Frauen, so abgenutzt hat. Josef Ackermann hat mehr Geld als er braucht oder verdient. Fathi Akin wird in seinem Leben mehr Oscars gewinnen als Florian Henkers von Donnersmark. Wären Kulturgüter umsonst und legal zu erhalten, würde das nicht bedeuten, dass keiner mehr Musik machen, Filme drehen oder Bücher schreiben will. Es gibt nichts gutes, außer man tut es (Erich Kästner). Die Kriminalrate war in Deutschland noch nie so niedrig, während die mediale Darstellung von Gewalt noch nie stark ausgeprägt war, genauso wie das subjektive Empfinden einer Bedrohung. Familie sein, ist nicht einfach. Mit „Chuck“ haben Sum41 ein völlig vergessenes Welt-Album geschaffen, wo sie doch sonst nur Durchschnitt zustande bringen. Schlecker beutet seine Angestellten aus. Wir haben die Freiheit, nicht frei sein zu müssen. Public-Viewing hielt nur einen Sommer. Bayer Leverkusen wird nie deutscher Meister. Nur weil Roland Koch zurück tritt, ist er noch lange kein Verlust für irgendwas. The Killers haben nach ihren Debütalbum nichts mehr hinbekommen und das wird auch so bleiben. Viele Bücher sind zu lang. Köln ist ein Dorf (und dass jeder jeden kennt, ist damit nicht gemeint). Paare mit gemeinsamem Profilfoto in sozialen Netzwerken, haben mittelmäßigen Sex. Menschen, die ohne Musik joggen, lachen auch nicht über Monthy Python. Halb-Asiatinnen sind heiß. Profi-American-Football-Spieler haben ab dem 60. Lebensjahr ein 200mal höheres Alzheimer-Risiko als der durchschnittliche Amerikaner. Das Zeit-Magazin ist das Beste, was es wöchentlich in Deutschland zu lesen gibt. Mit der Emanzipation gehen nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten einher. In deutschen Schulen wird zu wenig über das Judentum gesprochen. „Nichts im Übermaß!“ ist ein gutes Lebensmotto.

Montag, 16. August 2010

„In Siegen the wind doesn't blow, it sucks!“

Für alle Menschen mit Stil.

Vor nicht allzu langer Zeit saßen wir zusammen, in einer kleinen „Die-Stadt-und-Freunde-bald-hinter-sich-lassen-Depression“. Das Studium neigte sich dem Ende zu. Es fielen Ausdrücke wie „War doch schöner als erwartet“ oder „Ich bin doch sehr froh hier in Siegen studiert zu haben“. Schöne, spontane Sätze, schöne kleine Momente waren das; etwas melancholisch, ehrlich, nicht zu pathetisch. Eine kleine Priese leiser Intimität zwischen ein paar herrlich lauten Partys. Und über allem hing die Editors-Zeile: „People are fragile things – you should know by now“ überlebensgroß.

Eine solche Situation gewinnt nicht nur an ihrer Seltenheit, sondern auch in ihrer sie umgebenden Retrospektive. Sie ist Bestätigung und Fazit zugleich. War es doch vor drei Jahren mein Hauptanliegen in dieser Stadt eben das zu finden, was es in der Heimat für mich nicht zu geben schien. Jene kurzweilige Zusammengehörigkeit, jene Dinge, die das Leben zu dem machen, was es ist; Menschen. Am Ende geht es immer nur um die Leute, die man in sein Leben lässt. Gerade im tiefsten Siegerland.

Hier, wo der Osten schon angefangen hat, wo Gott nur zum Austreten und der ICE gar nicht hält. Hier in Siegen. Eine Stadt, in der McDonalds schon um 23Uhr zu macht, Flüsse mit Parkplätzen zu gepflastert werden und es nicht-gefühlt(!) immer regnet. Diese Stadt hat alles: ein Kino, also ein Kino. Teuer, simpel, anspruchslos. Ein Theater, dessen einzige nicht-provinzielle Eigenart das in die Jahre gekommene Spießer-Publikum ist. Ein Verkehrssystem, das die Silben „Sys“ und „tem“ nicht verdient. Siegen – hier fühlt man sich unterhalten.

Auch an der Uni, wo es neben dem üblichen BWL-/Lehramts-Gesocks, für seine Besucher auch ein paar seltene Kreaturen zu bestaunen gibt. Der Asta ist zwar auf Normalmaß genauso bescheuert wie austauschbar, aber vor allem die Gattung LCMS, die sich ab einer gewissen Reife nur noch LKM nennt, stellt eine äußerst spannende, wie seltene Spezies dar. Gerade unter den weiblichen Exemplaren gibt es hier ein paar ebenso niedliche, wie exotische Ausprägungen zu entdecken. Doch auch bei seinen Artgenossen kann man sich an dieser Uni wohl fühlen.

Mit einem vorgeschobenen Pflicht-Praktikum und einem dadurch etwas tiefer liegenden NC, wird die Streberfront Richtung Großstadt abgeschoben …

Einwurf: Es muss an dieser Stelle allerdings genervt erwähnt werden, welch Ungerechtigkeit es darstellt, dass es nur der ewig am Schreibtisch lernende Streber-Einheit möglich ist, in Berlin oder Hamburg zu studieren. Wo dieser Typ von Mensch die Vorzüge einer solchen Schönheit an Stadt gar nicht nutzt, da er doch den gesamten Tag mit Lernen beschäftigt ist Oder anders: der Schreibtisch sieht immer gleich aus, egal ob er in Lüdenscheid oder London steht.

...aber zurück zur Gattung der Siegener Medienwissenschaftler: Nicht zugezogen sind von 75 Kommilitonen ganze zwei. Das erzeugt Neugier. Dazu noch die hohe Wahrscheinlichkeit, sich jeden Mittwoch in der immer selben Diskothek (Kenner der Lokalität werden bei der Bezeichnung „Disko“ zusätzlich lächeln müssen) über den Weg zu laufen und dem Wissen in diesem Fixpunkt urbaner Kultur miteinander vereint zu sein – ob man nun will oder nicht. Das gemeinsame Unglück schweißt zusammen. Entscheidend ist nicht die (nicht vorhandene) Auswahl an Diskotheken oder Restaurants, nicht mal die Wahl der Kinos. Was zählt, sind die Menschen. Und manch neutorischer Wochenend-Heimfahrer, der in Köln oder Frankfurt bereits sein Glück liegen hat, entschloss sich nun seinen Master doch hier zu machen. Weil die Menschen passen. Nicht die Siegener, die eine Berliner Unfreundlichkeit kultvieren, ohne sie sich aus naheliegenden Gründen leisten zu können. Nein, mit Mensch meine ich, wie sollte es anders sein; den medieninteressierten Studenten. Polohemdenträger, Proll, Pärchen, Promohure oder Pausenclown; der gemeine Siegener MeWi weiß jedem stereotypen Extrem stets seine guten Seiten abzugewinnen. Musik, Frisur, Klamotten, politische Ideen; der MeWi liegt stets richtig, trifft mehr als häufig den richtigen Ton, lebt immer auf der Sonnenseite des Lebens – auch wenn es davon in Siegen nicht allzu viele gibt. Siegen – hier lernte ich die Coolness kennen.

Am Ende sind es drei schlichte, gute Jahre. Solche, die es in sich wert waren. „I was looking for some action, and all I found was cigarettes and alcohol“, wusste bereits Noel Gallagher zu berichten. Der entscheidende Faktor für einen gelungenen Abend ist doch nur, mit wem du dich betrinkst und danach im Bett landest. Die medienwisschensachaftliche Fakultät ist für derlei Aktivitäten absolut geeignet. Voll mit einer Menge Menschen, die witzig sind und trotzdem Nähe zulassen. Menschen, die ohne Fremdwörter zeigen können, dass sie Ahnung haben. Menschen die den Witz "Ich habe Memento rückwärts gesehen - ist ein ganz normaler Film." verstehen. Menschen, dessen Anwesenheit du schätzt und die deine genießen. Spärlich gesät mit einer handvoll Leute, dessen ausgeprägte Präsenz du suchst und deren Gleicher du findest. Siegen – hier hab ich Freundschaft geschlossen.

Jetzt geht jeder seiner weiten Wege. Die Fleißigen sind in Berlin und/oder im Praktikum, die meisten wissen noch nicht, wo das Leben sie hin spült und die Guten bewerben sich in Marburg, Tübingen oder Passau. Das Leben ist im Fluss. „It breaks, if you don't force it“. Wer das nicht versteht, studiert aus dem falschen Gründen Lehramt. Wer das verinnerlicht, der weiß: selbst drei gute Jahre in Siegen, sind kein Grund dort zu bleiben. Es geht immer irgendwo hin. Wir sind MeWis, wir sind frei – im Kopf! Wir sehen zu gut aus für diese Stadt. Wir sind nicht ungewollt schwanger. Wir sind zu jung für Kompromisse. „Irgendwo“ hin geht es, Richtung Programm-Kino und einem McDonalds für den Besäufnis-Hunger und mit neuer Neugier auf neue Menschen. Das die nächste Stadt mehr zu bieten hat als Siegen, kommt einem Naturgesetz gleich, dass sie den gleichen Schlag von Mensch zu bieten hat, nicht.

Fragile Gebilde an menschlichem Leben, zwischenmenschlichen Erlebnissen gibt es überall, aber in welcher Form und Fülle ist zu diesem Zeitpunkt nur hypothetisch zu klären. Das wird für mich persönlich umso deutlicher, umso spannender, wenn man sich vor Augen führt, wie der Titel des oben zitierten Editors-Tracks heißt.

http://www.youtube.com/watch?v=vDCnNe2tJ0g&feature=related


Das dieser Track Stil hat, haben mich drei gute Jahre unter Medienwissenschaftlern gelehrt.



Donnerstag, 5. August 2010

Höher! Schneller! Enger!

Es bietet sich an, hier ein Bild zu nutzen, welches in diesem Zusammenhang ekelhafte Wirklichkeit wurde: das Bild vom Staub, der sich langsam legt. Nachdem er zuvor noch durch eine panischeMenschenmasse aufgewirbelt wurde. Und mit dem Staub auch eine Duftwolke aus Urin, Kotze, Schweiß und noch mehr Urin. Beißend für die Augen, wie ein Schleier voll Salz auf die Ganzkörperwunde.
Ein Zustand physischer und psychischer Extreme, wie er in diesem 16Meter breiten Duisburger-Tunnel gewesen sein muss, in dem vor lauter Menschen kein Platz war. Also gar kein Platz! Kein Zentimeter war mehr frei, Füße lösen sich vom Boden und man wid mit der Menge dahin gerissen. Man will nur raus - aus der Enge. Man kann es nicht! Man verliert die Kontrolle. Man kriegt Panik. Du kriegst Panik!
Doch das Ergebnis dieses Zustandes, in dem Masse, Hitze, Raverkultur, Alkohol und sämtliche andere harte und weniger harte Drogen zusammentrafen, wird jetzt erst sichtbar, nachdem sich der beißende Staub langsam gelegt hat.
Zunächst - nur der Vollständigkeit halber - steht da erstmal das Ereignis an sich, mit seinen nackten Zahlen: 21 Toten, über 500 Verletzte und Hunderttausende, statisch nicht erfasst, die Dinge in diesem Tunnel gesehen, gehört und gefühlt haben, die die meisten Menschen nie erleben müssen. „Schlimmer als jeder Kriegsschauplatz“ nennen das gestandene Sanitäter, die schon einiges mitgemacht haben, in der Süddeutschen. Eine Zeit-Redakteurin, mit 25 Jahren kaum älter als ich, beschreibt die Situation im Tunnel ähnlich. Sie erzählt von Menschen, die „Dahinten sterben Menschen!“, schreien, während sie verstört an ihr vorbei laufen. Sie sitzt währenddessen neben jemanden, dem man mehrfach übers Gesicht gelaufen ist. Sie hatte zuvor mit längeren Bewusstseinsverlusten zu kämpfen. Totaler Blackout. Bis sie realisiert in Gefahr zu sein. In Lebensgefahr, mit 25 Jahren, auf einer Party.
Das ist das das Ereignis für sich genommen: Love-Parade 2010. Duisburg. Ein Begriff, der seinen Weg in das deutsche Gedächtnis finden wird, wie Eschede, Ramstein oder Winnenden/Emsdetten.
Direkt dahinter wird schnell die nächste Ebene des Ereignisses sichtbar; die Verantwortlichen. Die sind schnell aufgelistet. Duisburgs OB Sauerland (CDU), dem die Behörden der Stadt unterstellt sind. Veranstalter Schaller, dem die McFit-Kette gehört und bei der ich (noch) Mitglied bin. Dazu noch eine graue Masse an staatlichen Personen und Institutionen. Gutachter, Sicherheits-„Experten“, Crowd-Manager (noch so ein Wort, das es ins kollektive Bewusstein schaffen wird) Polizei, Feuerwehr und Wichtigtuer. Viel sagen sie alle nicht. Wenn sie auch sonst nichts wissen, eins wissen sie: "Ich war es nicht!" Oder um es ihnen treffender in den Mund zu legen: sie waren es nicht allein, was zur nächsten, hier entscheidenden Ebene führt; die Ganz-gesellschaftliche. Die Ebene über die bisher noch nicht (ausreichend) gesprochen wurde. Über die Symptome dessen hinaus, was an dieser Stelle als ein gesellschaftlicher Zuschaft verstanden wird, der aus gegebenen Anlass die Umschreibung "kathastrophal" verdient.
Duisburg war eine Kathastrophe und keine Tragödie, also unvermeidlich. Die Love-Parade war kein Erdbeben oder Blitzeinschlag. Es war ein Unfall, ja. Aber einer mit Alkohol am Steuer, mit roter Ampel, fahrlässiger Tötung, mit Schuld! Es gibt rechtliche und moralische Schuldige und somit gibt es auch Wut, Groll und Rachegelüste. Duisburg hätte nicht sein müssen. Die entscheidende, bleibende Erkenntnis ist: es gab eine Alternative. Die Frage die damit einher geht und einen seither rätseln lässt, heißt also: „Was hatte anders gemacht werden können?“.
Auf erster und zweiter Ebene ist das schnell zu erklären. Ein vergleichbares Geschichtslehrstück bietet die Hillsborough-Katastrophe 1989, bei der mehrere Menschen an Stadiongittern durch Überfüllung erdrückt wurden, weil sie die Ordungskräfte weigerten die Tore zum Feld zu öffnen. Man glaubte, die Masse wollte randalieren und ließ sie auf den Stehplätzen ihren Schmerzen erliegen. Seither gibt es in englischen Fußballstadien keine Stehplätze oder Gitter mehr. Warum ich das erzähle? - Eine ähnliche Reaktion ist auch jetzt in Form einer Gesetzesflut zu erwarten. Ausgänge, maximale Personenzahl, organisatorische Abläufe, alles steht auf dem Prüfstand, wird in Zukunft verschärfst oder stäker kontrolliert. Manches wohl überlegt, anderes völlig panisch, zur Wählerberuhigung. Bis zu einem gewissen Masse sinnvolle Symptome-Bekämpfung.
Doch sagt Duisburg 2010 noch mehr über diese direkte Ebene hinaus. Bei genauerer Betrachtung erscheint dieser Unfall nicht nur als Lehrstück für Sicherheitspolitik und der Gleichen, sondern als etwas größeres. Duisburg könnte der Anfang von etwas Neuem sein, auch wenn dies nur eine wage Hoffnung meinerseits ist und keine Aussagen über Techno darstellt.
Duisburg 2010 und die man dafür noch zur Verantwortung ziehen wird, stehen für etwas, das vor 30 Jahren noch das Mantra für eine goldene Zukunft war: „Wachstum“.Dieses Unglück ist Symbol für - so sehr dies auch nach Stammtisch klingen mag - einen grundsätzliche Fehlentwicklung dieser Gesellschaft.
Duisburg wollte aufsteigen, das ganze Ruhrgebiet will raus aus seiner als dunkel und trist empfundenen Vergangenheit der Kohleberger. Sein OB ist wegen diesem Anspruch, dieser Sehnsucht, dessen Projektionsfläche er zu sein scheint, mehrfach gewählt worden. Mc-Fit-Schaller ist ein neoliberales Vorzeigekind. Mit seinem ersten Studio in Würzburg begann sein Aufstieg, der heute über 120 Studios mit sich gebracht hat. Eins davon auf Mallorca. Der Grund für Schallers Erfolg ist, dass er Bekanntes für weniger Geld anbietet: für 15,90€ im Monat trainieren, ohne Betreuung, ohne Extras. Duschen kostet 0,50€. Alle an der Love-Parade beteiligten Parteien unterlagen einem Wachstums-Gedanken. Entweder direkt oder indirekt, durch den Druck, der auf die verübt und dem sie sich gebeugt haben.

Der klassische Wachstums-Gedanke liegt - gerade im Bezug auf Duisburg 2010 - in dem Prinzip der Rationalisierung. Wenn etwas bereits da ist, ein Markt besteht, produziert man es billiger, dann kann man es billiger, also mehr davon absetzen; neues Wachstum entsteht. Wachstum heißt nichts anderes, als die Erschließung neuer Gewinnmöglichkeiten. Wenn der Markt gesätigt ist, müssen Einsparungen eine höhere Gewinnspanne zwischen Kosten und Erlös gewährleisten.
Es folgt: der einzige Weg zu Wachstum (mehr Gewinn) liegt in der Rationalisierung, in der Findung neuer, effektiverer Wege zum selben Ziel. Schließlich meint Wachstum nicht das Verwalten eines Status-Quos, sondern das Ausweiten des Bekannten, unabhängig vom Entwicklungsstand dessen. Das Ziel ist das Produkt, das Konsumgut oder die Werbeveranstaltung billiger zu produzieren und zu gleichen Teilen wie zuvor abzusetzen. Die Produkte für sich genommen sind daher für diese Überlegungen auch völlig irrelevant.
Massenveranstaltungen wie die Love-Parade eine war, sind etwas großartiges, weiterhin. Doch der Weg zu ihnen verändert sich. „Früher“, heißt es in Muxmäuschenstill: „hast du keine Aktien von einem Unternehmen das Landmienen verschifft, gezeichnet. Wenn das Ding heute Rendite abwirft, wird es gekauft.“ Etwas anderes interessiert nicht.
Man ignoriert Vorschriften für Sicherheiten, stellt weniger Ordner ein oder Wellenbrecher auf. Alles Kostenfaktoren. Denn das einzige was zählt, ist das Ergebnis, nicht der Weg dorthin. Alles was zählt, ist Wachstum! Der Weg dorthin ist, auf Grund der angedeuteten, heute fast ausschließlich vorhandenen Marktknappheit (irgendwann hat jeder sein Handy, zum Beispiel), der eigentliche Faktor, der Erfolg von Misserfolg unterscheidet. In der letzten Zeit häufen sich die Ereignisse, in denen diese Rationalisierungswege deutlich werden - im Nachhinein. Ein Finanzsystem, das sich für immer neue, größere Renditen völlig überwirft, Öl-Bohrungen so tief, dass man sie nicht mehr stopfen kann, unzählige Burn-Out-Fälle überall oder auch ein Bildungssystem, dass seinen Rohstoff gar nicht schnell genug auswerfen kann. Nie ist der Weg das Ziel, immer nur das Ergebnis. Je nachdem: Umsatz, Liter, Zuschauerzahlen, Quote oder Abitur genannt. Die Empörung darüber hält sich in Grenzen, bis mal jemand zu offensichtlich den falschen Weg eingeschlagen hat, der Verlauf dieser Route zu sichtbar wird.
Es wird wohl noch weitere Duisburgs geben, bis man vom Wachstums-Gedanken abweicht. Leider. Die genannten Warnschüsse haben ja auch nicht gereicht. Aber irgendwann ist das Öl aufgebraucht, der Regenwald abgeholzt, der Sozialstaat tot, die Bildung findet direkt bei Siemens statt und der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird wegen zu geringer Quote eingestellt, bzw. völlig privatisiert.
Das mag arg pessimistisch klingen, doch wenn sich der Staub über dem Bahnhofsgelände wieder gelegt hat, erkennt man die einfache und doch ekelhafte Wahrheit; irgendwann ist einfach kein Platz mehr im Tunnel.

Sonntag, 25. Juli 2010

Die Filme meiner Jugend

Martin Scorsese wächst in New York auf. Ohne dabei wirklich groß zu werden. Mit 1.54m hat der auch sonst von Krankheiten geplagte „Marty“ in Little Italy nicht viel zu bestellen. Das feudale Viertel New Yorks, welches vor allem von sizilianischen Einwanderern bevölkert und strukturiert wird, bietet daher für den gläubigen Katholiken nicht viel. Einzig die Kirche und das Kino bieten Orte der Zuflucht.

Nach der Schule will Scorsese seine Mutter stolz machen und Priester werden. Doch die Ausbildung scheitert. Sie kann die Widersprüche, die das mafiöse, katholische Leben gegenüber den katholischen Predigten aufwirft, nicht auflösen. Stattdessen flüchtet Scorsese an den Ort, in den er schon als Kind - bis zu dreimal täglich - zurückzog; das Kino. Dort macht er die Fragen, die ihm seine Kindheit, sein Leben aufgeworfen haben zu denen seiner Filme, die er nach einer NYU-Ausbildung dreht (An selber Stelle wird er später u.a. Oliver Stone unterrichten). Scorsese ist getrieben von einer, von wenigen Fragen. Vier Ehen scheitern an seiner Besessenheit. Die ersten drei halten nie länger als drei Jahre. Letztendlich wird Scorsese sein Leben lang den immer gleichen Film in wechselnden Farben und Klängen drehen. Nur sein herausragendes Talent überdeckt dies zumeist, bzw. macht diesen Umstand zu einer beinahe bedeutungslosen Randnotiz. Diesen Film kann man sich neu verputzt immer wieder angucken. Doch am Ende, wenn Scorsese nicht gerade in Form von Musik-Dokumentationen Urlaub vom Leben machte, kreisen seine Filme immer um Gewalt. Das Verhältnis von Kirche und Gewalt (Mean Streets), von Gewalt und menschlicher und urbaner Genese (Gangs Of New York), von Gewalt und Gegengewalt (Taxi Driver). Die Gewalt, die Scorsese in seiner Kindheit erlebte (er berichtete selbst von dem Anblick eines Toten auf der Straße, was seine Mutter mit den Worten „Das ist nur ein Jude“ kommentierte und ihn von der Leiche weg zog), hat ihn nicht mehr los gelassen. Damit ist der New Yorker, der seine Stadt erst in den letzten Jahren filmisch verlassen hat (The Departed spielt in Boston), ein Symbol für eine Art des Filmemachens, die ganz sich selbst verpflichtet ist. Die Themen sind nur die eigenen, die Geschichten stets die selbst erlebten. Autorenfilm nennt man das in Frankreich. In Amerika meint man mit Independent-Film oder der New Hollywood-Ära, dessen Kopf Scorsese war, etwas ähnliches. In Deutschland tut man sich schwer, einen passenden Namen zu finden und kopierte den Autoren-Begriff Frankreich, ohne ihm wirklich zu folgen. Fatih Akin ist einer wenigen, der heute damit Erfolg hat. Er berichtete vor kurzem, wie er in Cannes von Scorsese zum Essen eingeladen wurde und genau diese Botschaft mit auf den Weg zurück nach Hamburg bekam. Dort wo Akin bis heute Filme über seine deutsch-türkischen Welten dreht. Seine eigenen Erlebnisse dramaturgisch abhandelt.

Nimmt man diese Analogie als allgemeingültigen Maßstab oder als Beispiel wird deutlich, dass die Art Filme zu machen, der Anspruch der damit verbunden wird, sich seit der Scorsese-Generation und ihrer Idee von individuellem Kino nicht besonders verändert hat. Daraus folgt; wenn aus ähnlichen Motiven und mit ähnlichen Ideen heute Filme gemacht werden wie vor dreißig Jahren, lässt sich an diesen erkennen, wie sich die Dinge entwickelt haben - auch außerhalb des Kinos.

Eine neue Generation von Filmemachern ist erkennbar, die weitaus heterogener auftritt als ihre Vorgänger. Diese: Spielberg, Coppola, Scorsese, Forman, Nichols, Polanski oder auch Kubrick sind aus heutiger Sicht zu meist auf einen groben Torso an Themen zu reduzieren (Gewalt spielt nahezu ausnahmslos, nicht nur bei Scorsese, eine Hauptrolle), denen sie aus unterschiedlichen Blickrichtungen näher kommen wollten.

Die talentierten Regisseure der letzten Jahre hingegen sind zumeist vielschichtiger. Entweder innerhalb ihres Oeuvres, wie zum Beispiel Sam Mendes, der zwar immer mit ähnlichen, fast-wissenschaftlich, unterkühlten Bildern arbeitet (Von American Beauty über Jarhead bis Zeiten des Aufruhrs), dabei aber ein komplexes, amerikanisches Gesellschaftsbild zeichnet und mit jedem Film erweitert (Sein aktuelles Projekt wird der nächste Bond sein - sofern MGM nicht dicht macht). Andere hingegen erzählen zwar mit sich selbst verglichen, ebenso häufig vergleichbare Geschichten wie ihre Branchen-Vorgänger, nur sind diese Erzählungen thematisch weitaus differenzierter. Alejandro Gonzalez Inarritu erzählt episodisch von Schuld und Schicksal (Amores Perros, 21 Gramm, Babel) Jason Reitman verknüpft inhaltlich und handwerklich den Spaß mit der Verantwortung (Thank You For Smoking, Juno, Up In The Air), Paul Thomas Anderson findet in den größten Geschichten kleine, reine Wahrheiten (Boogie Nights, Magnolia, Punch Drunk Love, There Will Be Blood) und Darran Aronovsky versucht zu ergründen, was Menschen antreibt und erzählt dabei von Getriebenen aller Art (Pi, Requiem For A Dream, The Fountain). Ganz nebenbei hat er mit Clint Mansell den wohl größten Komponisten aller Zeiten berühmt gemacht.

An Aronovskys The Wrestler lässt sich erahnen, was man aus den heutigen und damaligen Filmen als Veränderung wahrnehmen kann. Da wo Scorseses wilder Stier (Racing Bull) im und vor dem Ring immer wieder austeilte, zieht sich der alternde Profi-Wrestler Aronovskys unter großen Schmerzen in sich und aus dem Ring zurück. Die dumpfen Schläge des Boxens 1980 sind heute introvertierten, schlichten, melancholischen E-Gitarren-Klängen gewichen. Früher beschäftigte man sich mit der Gesellschaft, die einen in die Gewalt, in den Ring drängte, heute ringt man mit sich selbst. Früher versuchte man die Welt zu verstehen, heute sich selbst. Ein Prozess, der äußerst produktive Ergebnisse abwerfen kann, weil mit dem Blick in sich, immer ein Reflektieren und Bewusstwerden einhergeht. Akin hat mal gesagt: „Wer die Welt verbessern möchte, sollte erstmal in seiner Straße anfangen.“. Es geht jetzt um die kleinen Dinge, nicht das große Ganze. Es geht um den einzelnen Soldaten Anthony „Jarhead“ Swofford, mit sich allein im Irak. Und nicht mehr um die "Apocalypse Now". Ein Film, der versuchte den Vietnamkrieg, die amerikanische Gesellschaft und gleich die gesamte menschliche Rasse zu erklären, während es sich auf sich selbst einen runterholt. Die Filme sind kleiner geworden. Kleinere gemeinsamere Nenner werden gesucht und gefunden. Ob dadurch die Filme besser werden, wird jede Generation anders beantworten, weil Filme immer mehr Lebensgefühl und weniger Ästhetik sind. So ist „Easy Rider ein wichtiger aber wahrlich kein guter Film, aber erzähl das mal einem Alt-68er.

Doch vielleicht werden die heutigen und zukünftigen Werke dadurch zeitloser, weil sie universeller und globaler werden. Und "zeitlos" ist ein großartiges Adjektiv für einen Film. Vielleicht ist New York auch einfach nicht mehr der Vorort zur Hölle, welcher er zur Scorseses Jugendzeiten noch gewesen sein muss. Selbst die American-Psycho-Generation hat die Stadt hinter sich gelassen. Vielleicht ist die Welt – zumindest im Westen der Welt – wirklich besser geworden, so dass man sich um bestimmte Dinge einfach keine Gedanken mehr machen muss.

Und vielleicht ist im Gegensatz dazu „Requiem For A Dream“ auch in 30 Jahren immer noch ein guter Film, um ihn seinen Kindern im Drogen-nahen Alter zu zeigen. Vielleicht will ich aber auch einfach nur, dass meine Generation einen bleibenden Eindruck hinterlässt und versuche dies hiermit zu erzwingen. Vielleicht will ich einfach nur sagen, dass ich mich derzeit im Kino so verstanden fühle, wie noch nie.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Gottes Wort II

Niederlade: Der gute Trainer schafft es vielleicht das ewige Leichtfuß-Ballett mit deutschen Siegergenen auszustatten. Robben, Sneijder Van Persie (der alte Vergewaltiger!). Qualität ist da. Nur hinten, will immer in Holland niemand spielen. Wobei das auch schon schlimmer war. Finalkandidat (immer unter der Eingrenzung man trifft Spanien nicht früher) und mein einziger Außenseitertipp auf den Titel.

Japan: Asiaten. Mh. Mir fällt kein Witz ein. Sind alle klein und schüchtern. Und nur zu Besuch.

Kamerum: Klingt es rassistisch wenn ich frage: "wer hat all diese Afrikaner eingeladen?" Naja. Nichts zu holen. Ich mag den Eto'o nicht.

Dänemark: Durch die schwache Gruppe winkt das Achtelfinale. Aber am Ende ist es schon schade, dass Dänemarkt, Griechenland oder die Schweiz dabei sind und Kroatien, Türkei oder auch Russland nicht. Naja.

Italien: Zu alt, zu satt, zu doof. Die schwache Gruppe ermöglicht einen Viertelfinaleinzug. Nicht mehr. Und ganz nebenbei: wer italinischen Fußball mag, gehört erschossen. Und wer italienische Fußballer mag, gibt mir genügend Gründe zu Hause und nicht auf Großleinwand zu gucken. Nein, Baggio spielt nicht mehr. Ja wirklich, Luca Toni hat eine Freundin.

Slowakei: Kroatien in Langweilig und ohne Olic.

Paraguay: Die haben zwei Dortmunder Stürmer, Jürgen Klopp was zum freuen (Sahin macht ja Urlaub und Hummels war nicht gut genug... in your face BVB-Fans) und ich was zum Zeilen füllen. Aber im Grunde; hab ich keine Ahnung. Achtelfinale, passt und heim geflogen.

Neuseeland: Aus der Kategorie: Exoten, die beweisen, dass WMs in der Vorrunde wirklich spröde sein können. Und irgendein Reporter wird was von "Die längste Anreise" reden. Toll. Wenn das diesmal überhaupt stimmt. Sonst aber eine super Floskel. Schwachpunkt einer schwachen Gruppe.

Braslien: Das Land der Zauberer wird europäisch. Was ich gut finde. Die Messis und Robbens sterben ja nicht aus. Leider spielen die Arbeiter dann aber auch nicht mehr bei Real Madrid und Chelsea, sondern Sporting Lissabon oder Wolfsburg. Das Land ist im Umbruch. Weiterhin gut, aber auch mit zu Hohen Erwartungen ausgestattet. Bis ganz oben wird es nicht reichen. Finale 2014 in Rio: Deutschland – Brasilien.

Portugal: Am Ende gehts doch nur um eins: Wer hat den Längsten?! Christiano natürlich. So häßlich und stolz drauf, dass es Stil hat. So selbstverliebt, dass vor lauter Hass der ihm entgegen schlägt, fast sympathisch daher kommt. So egozentrisch, dass er vergisst abzuspielen. Und deswegen gibt’s für Portugal auch wieder nichts zu holen. Außer heißen Tränen auf dem Spielfeld. Medial wirksam, für alle sichtbar. Wenn Ronaldo weint (oder von Friedrich auf die Aschebahn gelegt wird), wird die Welt ein Stückchen besser.Klassischer Viertelfinal-Kandidat.

Elfenbeinküste: Mit oder ohne Drogba (der noch weniger abspielt und mehr heult als Ronaldo aber irgendwie damit durchkommt); auch der Klassiker-Tip für Leute, die so tun möchten, als hätten sie Ahnung, scheidet schneller aus, als es dem schwarzen Kontinent lieb sein kann. Vorrunde und zurück zu den britischen, spanischen und deutschen Kolonialherren, das Feld bestellen.

Nordkorea: Schade, dass mein Geheimtipp die mit Abstand schwerste Gruppe komplettiert. Im sozialistischen Gleichschritt kann man am besten eins; verteidigen. Zwei 0:0 und eine 0:2 Niederlage gegen Brasilien bedeuten leider das aus. Die 15Spieler bleiben anschließend in Johannesburg.

Honduras: Zum ersten Mal dabei, und das kurz.

Chile: Hoffnung besteht, dass die Nation entlang der Anden mir hilft die Schweiz nach Hause zu schicken. Am Ende taugen sie aber auch nur zu dieser halbgroßen Projektionsfläche. Die Zeit der Stars des Landes ist vorbei.

Schweiz: Ein beschissener Nazi-Staat, diese Schweiz. Frei von Minaretten, Moral, Ehre und rechtsstaatlicher Bereitschaft sich in Europa und eine Weltgemeinschaft einzugliedern. Aber dann beim Fußball mitmachen wollen; Na super! Das wird bestraft; mit bitteren Niederlagen und einem 1:1 gegen Honduras. Wehe wenn anders.

Spanien: Kurz; die beste Mannschaft des Turniers wird alles wegputzen, was sich ihm in den Weg stellt. Ich hatte noch nie so hohe Erwartungen an eine Mannschaft, wie an diese, in der sich eine handvoll Spieler befinden, die auf ihrer Position die besten der Welt sind. Cassillas, Xavi, Iniesta, Fabregas, Torres, Villa. Ich kriege hier feuchte Hände. Die Pässes Iniestas sind das einzige auf der Welt was Günther Netzer bereuht nie geschafft zu haben. Villas Technik. ACh die technik der gesamten Mannschaft. Lauter Özils. Torres' Antritt und Abschluss, dem stehen sogar lange, blonde Haare. Neid! Weltmeister!

Gottes Wort.

Die folgenden Aussagen treffe ich mit reinem Gewissen. Ich habe immer Recht. Das weiß ich aus Erfahrung. Wenn nicht, teste ich nur ob wer nicht aufgepasst hat.

Südafrika: Der Merkel-Effekt; ein Tor schießen und alle sagen; "Wow, dass hätte ich nicht erwartet." Vielleicht, ein paar Unentschieden. Achtelfinale? Wohl nicht.

Uruguay: Um mal wieder den guten Homer anzubringen: "Was ist das denn für ein Land "U R GAY"?!. Drittbeste Südamerikamannschaft - Achtelfinale.

Mexiko: Achtelfinale und gut - so wie immer halt. Ja, auch der Typ mit dem Ball zwischen den Oberschenkeln ist dabei. Blanco, spielt mittlerweile aber nur noch zweite mexikanische Liga.

Frankreich: Standfußball zu Füßen eines Dreckstrainers, der diesen Sport immer noch mit Schach verwechselt und bei dem niemand weiß wieso er noch bezahlt wird. Außerdem; Das Land hat in seiner arroganten Grundart bis heute nicht gemerkt, dass sie eine durchschnittliche Fußballnation plus Zindane waren und somit sind (minus Zidane). Die Hahn-Elf macht nur drei Spiele. Von "spielen" kann man dabei ja nicht reden.

Argentinien: Messi, Messi, MESSI; Star der WM. Period. Wenn man bedenkt, dass Podolski 2006 zum besten Nachwuchsspieler vor dem Argentinier und Ronaldo wurde, weiß man was falsch lief in München und Köln und wohl auch seinem Kopf. Die Stärkste Offensive des Tuniers hat Angst vor seinem Koks-Trainer, der vielleicht lieber seinen Schwiegersohn als CL-Finale-Doppeltorschütze Milito, aufstellt. Hoffe auf ein Spiel gegen England. Tipp:Finale.

Nigera: Afrikas Fußball wird überschätzt, so auch Nigerias. WM-Touristen.

Griechenland: Mauern sich ins Achtelfinale und hoffentlich nicht weiter. Für diesen Sport!

Südkorea: No Gus Hiddink, No Heimvorteil, No bestochene Schiris (Ja, wirklich! WM Spiele wuren verschoben... aber wenn es Italien trifft nenne ich das mal "Karma") - No party.

England: Was passiert wenn die beste Liga der Welt nur aus Nicht-Inländern besteht? - Ein überschätztes WM-Team mit einem überschätzten Trainer, das so tut als würde es Beckham vermissen. Und mit Peter Crouch im Sturm - wir hätten Carsten Janker nominieren sollen! Achtelfinale, dann; als zweiter gegen 5 deutsche Schützen. The same procedure as every year.

USA: Die Chance zur Überraschungsmannschaft und zum Nationalbeheizer dieses Sportes besteht. Gruppensieger. Langweilig aber Viertelfinale.

Slowenien: 0:0 gegen Algerien; langweiligste Spiel aller Zeiten. 13. Juni, 13.30H. Da muss man dabei sein. Sonst gibts wenig Ruhm. Man verliert 0:1 gegen England und sagt sich dann, wie toll man Parole geboten hätte. Dabei ist England einfach nicht so gut.

Algieren: ..... NOT.

Deutschland: Löw raus! rufe ich seit Jahren. Trochowski, Tasci, Klose oder Aogo sind keine Nationalspieler. Podolski kein Links-außen, Jansen kein linker Verteidiger und Fußball immer noch ein emotionaler Sport und kein Abwägen von Hautcremes, Schals und pseudo-intelligenten Taktiken. Aber trotzdem werden Özil, Schweinsteiger (so geht Entwicklung Trotz Werbevertrag, Prinzenrollen-Prinz-Poldi) und (ab der 60. Min.) Marin so manchen eindrehen. Wenn Friedrich den Torres' und Miltios dieser Welt nur ein bisschen hinterher kommt läuft der Laden. Zwischen Viertel- bis Finale ist alles drin; je nachdem wann man auf Spanien trifft.

Ghana: Essien verletzt. Bitter. Daher; Siehe Nigeria.

Australien: Aussie! Aussie! Aussie! gilt diesmal nicht Bernd Schneider, höhö. Aber verdienen tut sich die Anerkennung auch nur der Towart, der vielleicht ein, zwei Punkte festhält. Das Land braucht eh keine Sporterfolge. Auch ein Erfolg.

Serbien: Geheimtipp. Vidic ist toll, Pantelic hat Schuhcreme im Haar. Auf jeden Fall weiterkommen (1:1 gegen Deutschland) dann vielleicht mehr.

Gruppen E - H sind bald hier.

Sonntag, 16. Mai 2010

A Praise Chorus

Dies war mal das erste Kapitel meines Romans, den ich nie fertig stellen werde. Das Werk hat den Arbeitstitel "Treppenmensch". Dieses Kapitel, benannt nach einem großartigen Jimmy Eat World-Song, funktioniert aber auch gut, als in sich geschlossene Kurzgeschichte.

Beziehungen sind ja so einiges. Sie sind bestimmt von Trauer, Schmerz, Wut, Angst, Hass, Ignoranz, Zweifel, Frustration, Erniedrigung, schlechten Kompromissen, Nervtötung, Zwang, Eifersucht, Stress, Tränen, gebrochenem Stolz und Hilflosigkeit. Und das ist meist nur der Sex oder zumindest der Grund dafür.
Das einzige was man als gewillter Kuschelpädagoge dazu noch lächelnd erwähnen kann ist, dass es wohl nie langweilig wird, und wenn doch, so wird aus dem Schoß dieser Gleichgültigkeit schon irgendetwas Verletzendes, Frustrierendes, Trauriges oder Erniedrigendes heraus springen. Was wieder zu Sex führt. Wahlweise zu Versöhnungs-, „Ich-will-dich-nicht-verlieren-“, „Thank-God-we're-alive-“ oder „Besser-als-miteinander-Reden“-Sex, was in seinem Affekt zu ungewollten Schwangerschaften führt und darauf zu kurzfristig begonnenen Ausbildungen im Schreinerbetrieb des Schwiegervaters. Manchmal jedenfalls.

„…darum und weil ich sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten alle ganz doll lieb habe, wünsche ich ihnen, uns einen schönen und unvergesslichen Abend“.
Die Frau die dies und noch mehr seltsames Zeug zuvor gesagt hat, ist die Schülersprecherin eines sehr, sehr gutbürgerlichen Gymnasiums im Zentrum Bielefelds. Sie trägt ein sehr extravagantes und zugleich klassisches Kleid, mit akzeptablem Ausschnitt, in einem Weinrotfarbton. Sie strahlt und man strahlt ihr zu.
Ich sitze in einer der unzähligen Ecken dies komisch konstruierten Saales und probiere mich mit meiner Mutter zu unterhalten. Die ist angetrunken und süß dabei. Ich bin müde.
„Was wäre mit der da?“, fragt sie in einer Lautstärke, die ich gerade so verstehen kann und zeigt dabei auf Julia, die eben noch auf der Toilette, Dirk's Zunge in ihrem Mund und Dirk's Hand in ihrem Schritt hatte.
„Lesbe.“, antworte ich.
„Das ist aber schade. Also für dich.“, räuspert sich meine Mutter.
Ich nicke und sie steht auf und geht auf die Toilette.
Ich hole mir ein Pils von der Theke und wandere damit, möglichst lässig aussehend, durch den Saal. Nina, Janine und Caroline wollen mich zum Tanzen auffordern, aber ich lehne möglichst diplomatisch ab („... nicht tanzbar.“) und stelle mich zu Tim und John. Eigentlich heißt John Johann, aber irgendwie hat sich sein Spitzname so sehr verselbstständigt, dass selbst Lehrer ihn so nennen. Wenn es dann mal vorkommt, dass ein Unwissender seinen Namen von der Klassenliste her kennt und ihn abliest, weiß zunächst niemand wer gemeint ist. Auch John selbst braucht dann immer ein bisschen um zu reagieren.
Tim erzählt von seinen letzten Interneterlebnissen und berichtet wie viel er verloren hat, als er bei Manchester gegen Newcastle (+ Handicap) auf Unentschieden gesetzt hat.
Tim ist einer dieser Nerds, die immer zufrieden scheinen, selbst wenn ihnen irgendetwas bescheuertes oder gar trauriges passiert ist. Sie reden dann zwar laut und deutlich davon, dass alles nervt oder scheiße ist aber letztendlich wird man das Gefühl nicht los, dass alles in Ordnung ist oder mehr noch; dass alles bestens ist. Besonders dann, wenn einen auffällt, dass Tim nervt - vor lauter Witzen, Sprüchen und Anekdoten. Anzumerken wäre dabei noch, dass Tim noch nie eine Freundin, ja noch nicht mal eine Abendgeschichte hatte.
Häufig kommt da die Frage auf, ob er so positiv und albern wirkt, weil er sich noch nie im Geruch einer ganz bestimmten Frau verloren hat oder ob dies der Grund ist dafür, dass er noch nie jemanden für sich ernsthaft begeistern konnte. Ich meine, Frauen wollen ja immer zum Lachen gebracht werden, sagen sie in den Zeitschriften und schlechten Fernsehsendungen. Was sie aber nie sagen ist, dass dies immer erst dann geschehen soll, wenn es ihnen schlecht geht. Dafür muss man selbst sorgen indem man wenigstens so tut als wäre die erzieherische Arbeit seiner Eltern zur Austreibung des Patriarchats fehlgeschlagen oder ganz viel Geduld haben und dann im richtigen Moment anrufen. Timing ist entscheident. Da hat es Hollywood immer einfach. Der böse Noch-Freund baut immer kurz davor scheiße, wenn Er und Sie sich auf einer Parkbankk trefen. Wenn es regnet, natürlich. Wurden diese Filme, 10 Stunden lang gehen, hätten überhaupt kein Realtätsproblem. Aber Realitsten wurde früher eh zu oft der Lutscher geklaut.
Also, wie dass mit Tim aussieht kann ich wirklich nicht sagen. John ist da anders. Was Frauen angeht, ist durchsichtiger und offener. Er ist nun seit über 3 Jahren mit Patricia aus unserer Parallelklasse zusammen und nachdem selbst ein 10monatiger Mexiko-Aufenthalt von John, sie nicht auseinander bringen konnte, ist nicht mehr viel mit Jugendliebe. Die beiden meinen es ernst.
John einer dieser Sorte Mensch, die man oft nicht bemerkt. Erst wenn man dazu gedrängt wird, sich mit ihnen zu unterhalten merkt man wie viel Potenzial und Qualität in diesem Jungen steckt.
Menschen wie ihn nenne ich gerne „Treppenmenschen“. Das Gegenstück dazu wäre der „Fahrstuhlmensch“. Typ A brauche lange, um in der Aufmerksamkeit und Wertschätzung Anderer nach oben zu gelangen. Typ B ist sofort da. Zack! Er muss nichts tun, außer anwesend zu sein und man hört ihm sofort zu und gibt ihm Recht. Und daher hat man immer große Erwartungen an den Fahrstuhltyp und wird häufig enttäuscht. Und Zack! Ist der Fahrstuhl wieder unten. Aus diesem Grund gewöhnen sich, glaub ich, viele Menschen dieser Kategorie an die kurze Dauer von menschlichen Beziehungen und ähnlich wertvollen Dingen. Für sie ist es leichter Freunde, Partner, Geschmäcker und Ideen zu ändern, zu finden und dabei nicht das Gefühl zu haben sich und ihre Vergangenheit zu verleugnen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: nur weil jemand mit 17 Jahren beginnt, sich für seine „Limp Bizkit“-Platten zu schämen, ist er noch lange kein Fahrstuhlmensch, aber ihr versteht schon… .

Tim ist fertig mit erzählen. Er fragt, ob noch jemand ein Bier will und verzieht sich nachdem John kurz nickend seinen Finger gehoben hat.
„Tolle Rede, mh?!“, frage ich süffisant.
„Was willst du denn? Die Blondinen fühlen sich geborgen und die Anderen lässt sie in Ruhe.“, entgegnet John.
„Naja, aber warum muss es den immer jemand aus dieser Fraktion sein. Warum kann ich mich nicht auch mal vertreten fühlen. So wenige sind wir doch auch nicht, oder?“
John seufzt auf: „Erstens: hättest du dann nichts mehr zu meckern. Du willst dich doch gar nicht „vertreten fühlen“ (John zeichnet die Gänsefüßchen mit Mittel – und Zeigefinger), hier am Ceci. Da wo Tradition und Disziplin groß geschrieben werden willst du doch deine Feinde in der Überzahl, du „Rebell aus Langeweile“ (erneut). Zweitens: schau dich doch mal um. Ich weiß nicht genau, was du mit "wir" (herrje!) meinst aber, ich glaube so viele können es nicht sein.“
Ich schaue in einer denkenden Pose in die Runde: „Läuft.“
John nickt grinsend.
Ich nicke zurück und wir beide fangen an zu lachen.
Tim kommt mit Johns Bier wieder. Wir stoßen an und reden über Fußball und kommen über Roman Abramowitsch, auf die derzeitige wirtschaftliche Lage in Ostdeutschland und von dort auf den letzten Film von Roman Polanski und von dort auf die derzeite gesetzes Lage im Jugendstrafrecht. Spaß. Spaß in einer seiner reinsten Formen.

Nach etwa einer halben Stunde, hole ich mir ein weiteres Pils und verabschiede meine Mutter, die sich jetzt ein Taxi nehmen will. Ich gehe mit ihr nach draußen. Nachdem das Taxi weg ist, stehe ich noch ein wenig draußen und genieße die frische Luft dieses tagsüber heißen Tages Mitte Mai.
Etwas klopft mir auf die Schulter. Maria.
„Na?“ fragt sie leise.
„Na.“, probiere ich ihr in die Augen zu sehen. Es gelingt.
„Warum hier draußen?“
„Hab meine Mutter verabschiedet. Sie war müde.“
„Mh. Wo ist dein Vater?“
„Magendarm. Liegt im Bett.“, säusele ich.
„Das ist ja doof. Grüß ihn mal von mir, ja?“
„Mach ich“, antworte ich und lächle. Maria lächelt nicht. Sie schaut in die Wolken, pustet einmal tief durch und dreht sich um: „Okay, ich geh wieder.“, sagt sie während sie bereits den Blick zur Halle gerichtet hat.
„Hey!“ rufe ich ihr zaghaft hinterher: „ Du siehst gut aus.“ Maria dreht sich um.
„Danke.“, sagt sie mit gesenktem Blick und geht rein.

Ich gehe wieder rein und stoße dort mit meinem Deutschlehrer und Tim an. Tim ist gut angetrunken. Ich ein bisschen weniger.
Nach „Ihr wart ein wirklich schöner Kurs. Kein guter, aber ein Hübscher.“, meines typisch ironisch, dahin labernden Deutschlehrers und paar weiteren Witzen, gehe ich zur Tanzfläche. Dort tanzen mittlerweile auch Janine und Nina. Caroline, die natürlich von allen nur „Caro“ oder „Line“ gerufen wird, hat sich Dirk geschnappt und ist mit ihm ein paar Runden um den Block. Ich überlege kurz, ob ich mich später in die Eingangshalle setzen soll und darauf warte bis die Beiden wiederkommen. Ich finde dieses leichte Lächeln, welches zwei kurz „Verschwundene“ immer im Gesicht haben, wenn sie zurück kommen auf eine Party oder wie heute: den Ball, einfach beeindruckend. Diese Fünf Minuten Glück. So unverbraucht, einfach und leicht.
Aber ich finde etwas anderes, wo es noch mehr Spaß macht zu zuschauen. John und Patricia tanzen. Es wirkt, als wenn es in diesem Moment nur die Beiden gibt. Und das, obwohl gerade Nelly läuft. Es ist ihnen egal. Sie sind nicht euphorisch und turteln auch nicht rum. Im Gegenteil, kein Angemache, keine komischen aus dem letzten Videoclip abgeguckten Bewegungen, so wie sie zur selben Zeit die meisten anderen Mädchen tun. Einfach schlicht und ruhig.
Ihre Beziehung ist an einem Punkt, in dem es nicht mehr wichtig ist, sich zu unterhalten oder zu umschwärmen. Es ist eine ganz positive Form von Routine, die ich so schön finde, dass ich etwas denke, was ganz selten denke. Das gleiche wie bei der Hochzeit meines Schwiegeronkels, letztes Jahr. Als ich dem Brautpaar beim Eröffnungstanz zusah. Ich dachte nur:
Das will ich auch! Klein, sehnsüchtig, schmalzig, wahr.
Während ich dabei verträumt an meinem Pils nippe, male ich mir aus, dass ich heute Abend eine meiner Ryan Adams Platten auflege und mich dabei selbst in den Schlaf wiegen werde.
Klein, sehnsüchtig, schmalzig, wahr.
Am Ende des Abends stehe ich mit John, Patricia, Tim und einigen weiteren Abiturienten an der Bushaltestelle und warte darauf, dass uns die N3 in die Stadt bringt.
Zwilling Nr.1, der nur so oder einfach „Nr.1“ genannt wird, weil er eine gewisse Ähnlichkeit mit einem weiterem Jungen aus unserer Stufe hat, raucht einen Joint und lässt ihn nach kurzer Zeit rum reichen.. Im Wirklichkeit heißt er Mark. Nr. 2 heißt Stefan. Außerdem stehen noch Tina und Sonja mit an der Bushaltestelle.
„Goldenes M?“ fragt Kilian.
„Ich nicht.“
„Ich auch nicht“
„Nö“ und
„Zu Müde“, sind die Antworten die Kilian hört. Er fährt sich kratzend über die Stirn und danach durch seine blonden, langen und lockigen Haaren. Er sieht aus wie der Sänger von Nickelback, nur ein kleines bisschen weniger peinlich.
Die N3 kommt und bringt uns zum Jahnplatz, von wo aus sich unsere Wege in die verschiedensten Richtungen trennen.
Ich sage John, Patricia, Tim und Nr.1 auf Wiedersehen und nehme die N6. Zu Hause habe ich zu meiner eigenen Überraschung immer noch nicht Ryan Adams vergessen und bereits beim Zähneputzen fährt mir „Political Scientist“ durch die Ohren. Es gibt Musik, die geht immer und daher nie. Und es gibt Ryan Adams. Oder um es mit Tees Uhlmann zu sagen: "Es gibt nichts schöneres als betrunken, traurige Lieder zu hören". Timing ist alles.
Beim Ausziehen meiner Krawatte fällt mir auf, wie komisch und somit auch ungewollt eindrucksvoll dieser Abend war.
Wie viel wurde im Vorfeld über diesen ach so großen Abend geredet. Wie lange Patricia gebraucht hat ein Kleid zu finden, was John erzählt hat. Wie teuer so eine Eintrittskarte war und wie viel Sorgen man sich gemacht hat, beim Standardtanz zu versagen, bzw. scheiße auszusehen. Mancher Mathe-LKler jedenfalls.
Und am Ende steht man mit den gleichen 7 Personen, wie die letzten 7 Jahren an der Bushaltestelle, nachdem man den ganzen Abend über die Musik genervt war und überlegt ob man noch zu McDonalds will. In solchen Momenten wird immer wieder deutlich, auf was es im Leben ankommt. Nämlich zu wissen, was man will. Was willst du? Und nicht zu glauben, man will unbedingt diesen dämlichen Abschlussball nur weil irgendjemand sagt: „So was kommt nie wieder.“
Ja und?! Ich will keine großen, kitschigen (und in unserem Fall: verlogenen) Reden oder großes Essen in noch größeren Sälen. Jemanden finden, der mich versteht. Das ist es. Ganz einfach. Egal, welche Konsequenzen das mit sich zieht.
Ich liege noch lange wach, das Licht längst aus und lausche Ryan noch eine ganze Weile. Plötzlich zuckt es durch meine Gedanken, ich stehe senkrecht im Bett. Ich fahre den PC hoch und öffne die Worddatei mit dem „Beziehungen sind ja so einiges-Text“, den ich letztens erst dahin gerotzt habe. Ich schreibe eine zweite Version:

Beziehungen sind ja so einiges. Sie sind bestimmt von Trauer, Schmerz, Wut, Angst, Hass, Ignoranz, Zweifel, Frustration, Erniedrigung, schlechten Kompromissen, Nervtötung, Zwang und Hilflosigkeit. Und das ist meist nur der Sex oder zumindest der Grund dafür. Aber wenn es passt, hat man bei all dem immer das Gefühl: Es lohnt sich.

Als ich den PC wieder herunterfahre, wird in der Bäckerei gegenüber gerade das „Geöffnet-Schild“ umgedreht. Ich laufe auf die andere Straßenseite und kaufe mir ein Käsebrötchen. Ich bin nicht mehr müde.